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Ab 2025 gilt in Deutschland die obligatorische E-Rechnungspflicht im B2B-Bereich. Für Mittelständler bedeutet das: Wer Eingangsrechnungen weiterhin manuell verarbeitet, zahlt doppelt – einmal durch regulatorischen Druck, einmal durch steigende Prozesskosten. Dieser Artikel zeigt, welche Schritte zur Automatisierung führen, welche typischen Fehler in der Praxis auftreten und wie sich der Aufwand konkret beziffern lässt.
Eingangsrechnungen manuell zu bearbeiten war lange ein akzeptiertes Übel im Mittelstand. Eine Sachbearbeiterin öffnet das Kuvert oder die E-Mail, tippt Lieferant, Betrag und Steuersatz in das ERP-System, leitet den Beleg an die zuständige Fachabteilung weiter und wartet auf Freigabe. Das klingt nach Routine – und genau darin liegt das Problem.
Ab dem 1. Januar 2025 müssen alle inländischen B2B-Unternehmen in Deutschland strukturierte E-Rechnungen empfangen und verarbeiten können [1]. Die Pflicht zur Ausstellung folgt gestaffelt: Unternehmen mit einem Jahresumsatz über 800.000 Euro müssen ab 2027 E-Rechnungen ausstellen, alle übrigen spätestens ab 2028 [2]. Wer glaubt, die Empfangspflicht sei nur ein technisches Detail, unterschätzt die Tragweite: Kommt eine strukturierte XRechnung oder eine ZUGFeRD-Datei an, lässt sie sich mit einem E-Mail-Client oder einem einfachen PDF-Betrachter nicht mehr sinnvoll weiterverarbeiten. Das Format enthält maschinenlesbare Daten, die ausgewertet, geprüft und archiviert werden müssen.
Gleichzeitig hat die Bitkom-Forschung für 2024 festgehalten, dass der Anteil elektronisch übermittelter Rechnungen im deutschen Unternehmensumfeld weiter steigt [3]. Der Druck kommt also nicht nur vom Gesetzgeber, sondern auch von großen Lieferanten und Kunden, die ihre eigenen Prozesse optimieren und E-Rechnungen bevorzugen oder bald fordern werden.
Für Geschäftsführer im Mittelstand bedeutet das einen konkreten Entscheidungszeitpunkt: Wer die Automatisierung der Eingangsrechnungsverarbeitung weiter aufschiebt, handelt nicht konservativ, sondern risikoreich. Die Frage ist nicht mehr ob, sondern wie die Umstellung gestaltet wird.
Die eigentliche Gefahr manueller Rechnungsverarbeitung liegt nicht in der Stunde, die eine Mitarbeiterin für eine einzelne Rechnung braucht. Sie liegt in den Kosten, die sich im Verborgenen akkumulieren: Mahngebühren wegen übersehener Fristen, entgangene Skonti, Doppelzahlungen durch fehlerhafte Buchungsnummern, Nacharbeitszeit nach Betriebsprüfungen.
Ein realistischer Blick auf den Prozess zeigt mehrere Stufen, die alle Zeit und Aufmerksamkeit binden. Erstens: das Erfassen und Sicherstellen der Vollständigkeit eines Belegs (Lieferant, Leistungsdatum, Steuernummer, Betrag). Zweitens: das Zuordnen zu einem Auftrag oder einer Kostenstelle. Drittens: das Einholen der Freigabe von einer oder mehreren berechtigten Personen. Viertens: die Buchung im ERP. Fünftens: die revisionssichere Archivierung. Jeder dieser Schritte enthält Fehlerpotenzial und Wartezeit.
Eine Praktiker-Beobachtung, die in der Praxis regelmäßig auffällt: Viele Mittelständler unterschätzen den Freigabe-Engpass. Die eigentliche Erfassung dauert drei bis fünf Minuten. Aber wenn der zuständige Abteilungsleiter im Außendienst ist oder die Urlaubsvertretung den internen Ablauf nicht kennt, liegt eine Rechnung fünf bis zehn Werktage unangetastet im Postfach – und das Skonto von z. B. 2 % bei 14 Tagen läuft ab. Genau hier entstehen in der Praxis die größten vermeidbaren Kosten, nicht bei der Dateneingabe selbst.
Die folgende Modellrechnung mit angenommenen Werten zeigt, wie sich diese Effekte für ein mittelständisches Unternehmen mit 400 Eingangsrechnungen pro Monat summieren:
| Position | Wert |
|---|---|
| Eingangsrechnungen pro Monat (angenommen) | 400 Stück |
| Durchschnittlicher Zeitaufwand je Rechnung (Erfassung + Weiterleitung + Buchung) | 12 Minuten |
| Gesamtaufwand pro Monat | 80 Stunden |
| Angenommener interner Stundensatz (Lohn + Nebenkosten) | 45 €/Std. |
| Monatliche Personalkosten für Rechnungsverarbeitung | 3.600 € |
| Entgangene Skonti (angenommen: 5 % der Rechnungen, Ø-Rechnungswert 2.000 €, 2 % Skonto) | 800 € |
| Korrekturen und Nacharbeitszeit (angenommen: 3 % Fehlerquote, je 20 Min. Korrektur) | 144 € |
| Geschätzte monatliche Gesamtkosten manueller Verarbeitung | ~4.544 € |
| Hochgerechnet auf 12 Monate | ~54.528 € |
Diese Zahlen sind Modellwerte und variieren je nach Branche, Rechnungsstruktur und internen Lohnkosten erheblich. Dennoch machen sie deutlich: Bei 400 Rechnungen monatlich liegt ein echter wirtschaftlicher Hebel vor. Versteckte Kosten manueller Abläufe in KMU folgen häufig diesem Muster – der Zeitaufwand ist sichtbar, die Fehler- und Skontikosten bleiben lange unter dem Radar.
Wer Eingangsrechnungen automatisieren will, begegnet unweigerlich zwei Formatbegriffen: XRechnung und ZUGFeRD. Beide sind strukturierte E-Rechnungsformate, die in Deutschland nach der europäischen Norm EN 16931 zulässig sind [1].
Die XRechnung ist ein reines XML-Dokument ohne visuellen Anteil. Sie enthält alle steuerlich relevanten Pflichtfelder in maschinenlesbarer Form, ist aber für Menschen ohne geeignetes Leseprogramm nicht direkt verständlich. Sie ist der Standard für öffentliche Auftraggeber in Deutschland und wird bereits seit 2020 bei Bundesbehörden verpflichtend eingesetzt.
ZUGFeRD (Zentraler User Guide des Forums elektronische Rechnung Deutschland) kombiniert ein lesbares PDF mit einer eingebetteten XML-Datendatei [5]. Das Hybrid-Format hat für den Mittelstand einen praktischen Vorteil: Empfänger ohne automatisierte Verarbeitung können das PDF weiterhin manuell lesen, während automatisierte Systeme die XML-Ebene auslesen. Das Format wird regelmäßig aktualisiert und entspricht in seiner aktuellen Version dem europäischen Standard Factur-X [6].
Für die Automatisierung der Eingangsverarbeitung bedeutet das: Ein System muss in der Lage sein, XML-Strukturen auszulesen und die enthaltenen Felder direkt in das ERP-System zu übergeben, ohne manuelle Zwischenschritte. Das klingt trivial, ist aber in der Praxis eine häufige Stolperfalle – denn viele ältere ERP-Versionen im Mittelstand unterstützen strukturierte E-Rechnungsformate entweder gar nicht oder nur mit kostenpflichtigen Modulen, die gesondert beauftragt werden müssen.
Eine weitere technische Grundlage, die oft vernachlässigt wird: die Archivierungspflicht. Eingangsrechnungen sind steuerrelevante Unterlagen und unterliegen der GoBD (Grundsätze zur ordnungsmäßigen Führung und Aufbewahrung von Büchern, Aufzeichnungen und Unterlagen in elektronischer Form). Das bedeutet: unveränderliche Speicherung, Nachvollziehbarkeit von Änderungen, Lesbarkeit über die gesamte Aufbewahrungsfrist von zehn Jahren. Wer automatisiert, muss sicherstellen, dass das Zielsystem diese Anforderungen erfüllt – und nicht nur Rechnungen schneller verarbeitet, sondern auch korrekt archiviert.
Praktiker-Beobachtung aus diesem Bereich: Ein häufiger Fehler beim Aufbau automatisierter Verarbeitung ist das Fehlen eines definierten Ausnahme-Workflows. Gut strukturierte Rechnungen verarbeiten Systeme zuverlässig. Aber was passiert bei einer Rechnung mit abweichendem Lieferantennamen, einer fehlenden Bestellnummer oder einem nicht zuordenbaren Steuersatz? Wenn für diese Fälle kein klarer manueller Eskalationspfad definiert ist, landen Ausnahmen im Niemandsland – und werden erst bei der nächsten Betriebsprüfung oder dem ersten Mahnschreiben entdeckt.
Die Frage, wie man Eingangsrechnungen automatisiert verarbeitet, beantwortet sich nicht mit einem einzigen Tool. Es geht um einen Prozess, der aus mehreren Bausteinen besteht und schrittweise aufgebaut werden kann.
Der erste Schritt ist die Prozessaufnahme. Bevor ein System konfiguriert wird, muss das Unternehmen wissen, wie eine Eingangsrechnung heute tatsächlich durch das Haus wandert. Wer erfasst sie? Wer prüft sachlich? Wer gibt frei? Was passiert bei Teillieferungen oder Reklamationen? Diese Fragen klingen selbstverständlich, sind es aber nicht: In vielen mittelständischen Unternehmen existiert der tatsächliche Prozess nur in den Köpfen von zwei oder drei Mitarbeiterinnen. Sobald eine davon krank oder im Urlaub ist, gerät das System ins Stocken. Wer diesen Ist-Prozess nicht dokumentiert, automatisiert Chaos – nur schneller.
Der zweite Schritt ist die Standardisierung des Eingangskanals. Rechnungen kommen per Post, per E-Mail, über Lieferantenportale oder per EDI. Solange diese Kanäle parallel und unstrukturiert laufen, bleibt jede Automatisierung ein Flickwerk. Idealerweise wird ein zentrales Rechnungseingangsfach definiert – eine dedizierte E-Mail-Adresse, ein Upload-Portal oder beides – und Lieferanten werden aktiv gebeten, diesen Kanal zu nutzen.
Der dritte Schritt ist die Auslesung und Validierung. Für ZUGFeRD- und XRechnungs-Formate kann die XML-Ebene direkt maschinenlesbar verarbeitet werden. Für Rechnungen, die weiterhin als einfaches PDF oder gar als Papierbeleg eingehen, ist eine OCR-Komponente (Optical Character Recognition) notwendig, die Textfelder erkennt und strukturiert. Hier liegt ein entscheidender Qualitätsunterschied zwischen verschiedenen Lösungen: Einfache OCR arbeitet regelbasiert und scheitert bei abweichenden Layouts. KI-gestützte Texterkennung in Geschäftsprozessen erreicht deutlich höhere Erkennungsraten, weil sie Layoutvariationen toleriert und kontextbasiert interpretiert.
Der vierte Schritt ist die Übergabe ans ERP-System. Hier zeigt sich, ob die technische Infrastruktur des Unternehmens die Automatisierung trägt. Gut gepflegte ERP-Systeme mit aktuellen Schnittstellen nehmen strukturierte Datenpakete direkt entgegen. Veraltete Systeme ohne API erfordern Zwischenlösungen – beispielsweise Robotic Process Automation, die Daten in Maskenfelder eintippt. Das funktioniert, ist aber fragil und wartungsintensiv.
Der fünfte Schritt ist der digitale Freigabe-Workflow. Dieser Baustein ist organisatorisch oft unterschätzt. Ein einfacher Workflow sendet eine automatische Benachrichtigung an den zuständigen Fachbereich, sobald eine Rechnung korrekt erfasst und einem Auftrag zugeordnet wurde. Die Freigabe erfolgt per Klick, mobil und mit dokumentiertem Zeitstempel. Der Unterschied zur E-Mail-Weiterleitung: Fristen werden sichtbar gemacht, Erinnerungen laufen automatisch, und der Genehmigungsstatus ist jederzeit nachvollziehbar – auch für die Geschäftsführung.
Ein sechster, oft vergessener Schritt ist das Monitoring. Wie viele Rechnungen wurden diese Woche automatisch verbucht? Wie viele landeten im manuellen Ausnahme-Workflow? Wie hoch ist die aktuelle Fehlerquote? Ohne ein einfaches Dashboard fehlt die Grundlage, um den Automatisierungsgrad im Zeitverlauf zu verbessern.
Die technischen Hürden bei der Automatisierung von Eingangsrechnungen sind lösbar. Die organisatorischen Hürden sind es, die Projekte scheitern lassen oder deutlich verlängern.
Fehler Nummer eins: Das Projekt startet in der IT, nicht in der Buchhaltung. Die Kolleginnen, die täglich mit Eingangsrechnungen arbeiten, kennen die Ausnahmen, die Sonderfälle, die schwierigen Lieferanten. Wenn die Systemkonfiguration ohne ihr Wissen aufgesetzt wird, entstehen Workflows, die auf dem Papier funktionieren und in der Praxis scheitern – etwa weil ein Großlieferant seine Rechnungen immer ohne Bestellnummer schickt und das System daher jede dieser Rechnungen in den manuellen Ausnahmepfad schiebt.
Fehler Nummer zwei: Die Stammdatenpflege wird unterschätzt. Damit eine Rechnung automatisch einem Lieferanten zugeordnet werden kann, muss dieser Lieferant im ERP-System mit konsistenten Daten gepflegt sein. In der Praxis finden sich bei vielen Mittelständlern Duplikate, veraltete Bankverbindungen und unterschiedliche Schreibweisen desselben Unternehmens. Vor der Automatisierung ist eine Bereinigung der Lieferantenstammdaten zwingend – andernfalls verbucht das System Rechnungen auf falsche Konten.
Fehler Nummer drei: Der Pilotbetrieb wird zu kurz bemessen. Ein Monat reicht nicht, um alle Lieferantenformate, alle Kostenstellen-Konstellationen und alle Ausnahmefälle zu durchlaufen. Besser: drei Monate paralleler Betrieb, in dem das automatisierte System läuft und die Ergebnisse manuell gegengeprüft werden. Erst danach sollte die manuelle Fallback-Routine schrittweise reduziert werden.
Fehler Nummer vier: Die Mitarbeiterinnen werden nicht vorbereitet. Automatisierung erzeugt Unsicherheit. Wer nicht frühzeitig kommuniziert, was sich ändert und was gleich bleibt, riskiert stillen Widerstand – und der äußert sich in der Praxis oft so: Rechnungen werden parallel noch manuell erfasst, „zur Sicherheit". Das Ergebnis sind Doppelbuchungen und ein Automatisierungsprojekt, das nie wirklich anläuft.
Fehler Nummer fünf: Die Sicherheit und der Datenschutz kommen zu spät. Rechnungsdaten enthalten sensible Informationen über Lieferanten, Konditionen und interne Kostenstellen. Datenschutzanforderungen in KI-gestützten Automatisierungsprozessen müssen von Anfang an in die Systemarchitektur eingebaut werden – nicht als nachträgliches Audit.
Eine besonders häufig übersehene Praktiker-Falle: Unternehmen mit mehreren Standorten oder Tochtergesellschaften konfigurieren die Automatisierung für den Hauptstandort und vergessen, dass die anderen Einheiten eigene Kostenstellen-Strukturen, eigene Freigabehierarchien und eigene ERP-Mandanten haben. Wer das nicht von Anfang an berücksichtigt, baut eine Lösung, die für den Hauptstandort funktioniert – und für die übrigen Einheiten zunächst leer läuft. Das ist kein hypothetisches Szenario, sondern ein in der Praxis immer wieder beobachteter Einführungsfehler, der Nachkonfigurationsaufwand von mehreren Wochen erzeugt.
Die Frage nach dem Lohnenswert ist berechtigt und sollte nicht mit Pauschalaussagen beantwortet werden. Der ROI einer Automatisierungslösung hängt von drei Faktoren ab: dem aktuellen Verarbeitungsvolumen, der Fehlerquote im Ist-Prozess und den Implementierungskosten des gewählten Ansatzes.
Als grober Richtwert aus der Praxis gilt: Ab einem Volumen von etwa 200 Eingangsrechnungen pro Monat beginnt eine strukturierte Automatisierungslösung, ihre Einführungskosten innerhalb von 12 bis 18 Monaten zurückzuspielen – vorausgesetzt, der Prozess ist vorher sauber dokumentiert und die Stammdaten sind gepflegt. Unterhalb dieser Schwelle kann eine einfachere Halbautomatisierung (z. B. automatischer E-Mail-Eingang mit Vorsortierung und Formularerfassung) wirtschaftlicher sein als eine vollintegrierte Lösung.
Die Qualitätsgewinne sind in der Praxis oft bedeutsamer als die reinen Zeitgewinne. Automatisch verarbeitete Rechnungen haben konsistente Buchungsqualität: kein Zahlendreher beim Abtippen, keine vertauschten Kostenstellen. Die Fehlerrate bei automatisierter Verarbeitung strukturierter E-Rechnungen liegt deutlich unter derjenigen manueller Erfassung – nicht weil Menschen schlechter sind, sondern weil Monotonie und Zeitdruck zu Fehlern führen, Maschinen aber nicht ermüden.
Ein weiterer, oft unterschätzter Gewinn ist die Skonto-Sicherung. Wenn Freigabeworkflows digital und mobil laufen, sinkt die durchschnittliche Durchlaufzeit einer Rechnung von typischerweise sieben bis zwölf Werktagen (angenommener Wert im manuellen Betrieb) auf ein bis zwei Werktage. Bei einem Unternehmen mit 400 Rechnungen monatlich und einem durchschnittlichen Rechnungswert von 2.000 Euro bedeutet das, wie in der Modellrechnung oben gezeigt, mehrere hundert Euro zurückgeholter Skonti pro Monat.
Nicht zuletzt verbessert eine funktionierende Automatisierung die Liquiditätsplanung. Wer jederzeit weiß, welche Rechnungen eingegangen, freigegeben oder noch offen sind, kann Zahlungsausgänge besser steuern und Kreditlinien gezielter einsetzen. Diese strategische Transparenz ist für Geschäftsführer im Mittelstand ein eigenständiger Wert – unabhängig von der reinen Zeitersparnis in der Buchhaltung.
Die Berechnung des Automatisierungs-ROI folgt dabei einem strukturierten Ansatz: Ist-Kosten erfassen, Einsparpotenziale identifizieren, Implementierungskosten und laufenden Betrieb dagegenstellen. Wer diesen Vergleich einmal sauber aufgestellt hat, trifft eine sachliche Entscheidung – statt aus Gewohnheit am Status quo festzuhalten.
Eine automatisierte Eingangsrechnungsverarbeitung ist kein Set-and-forget-System. Sie braucht regelmäßige Pflege und Anpassung – an neue Lieferanten, neue Rechnungsformate, neue gesetzliche Anforderungen und veränderte interne Prozesse.
Die E-Rechnungspflicht wird in den kommenden Jahren weitere Stufen nehmen [1][2]. Unternehmen, die heute eine solide Grundlage aufbauen, sind für diese Stufen deutlich besser vorbereitet als solche, die den Aufbau aufschieben. Insbesondere die Ausstellungspflicht ab 2027 bzw. 2028 erfordert nicht nur Empfangs-, sondern auch Ausgabeinfrastruktur – das heißt, das System muss in der Lage sein, aus den eigenen ERP-Daten konforme ZUGFeRD- oder XRechnungen zu erzeugen.
Auf europäischer Ebene zeigt der anhaltend hohe Mehrwertsteuer-Gap – also die Differenz zwischen theoretisch geschuldeter und tatsächlich eingenommener Mehrwertsteuer – wie groß der Anreiz für Finanzbehörden ist, Transaktionsdaten zunehmend in Echtzeit zu prüfen [7]. Deutschland folgt damit einem europäischen Trend. Wer seine Prozesse heute digitalisiert und strukturiert, ist für eine mögliche Echtzeit-Meldepflicht der Zukunft besser aufgestellt.
Ein oft übersehener Aspekt beim Betrieb ist die Lieferantenkommunikation. Automatisierung funktioniert am besten, wenn Lieferanten wissen, was das empfangende Unternehmen erwartet: welches Format, welche Pflichtfelder, welche Bestellnummern-Konvention. Ein einfaches Merkblatt für Lieferanten, das diese Anforderungen kommuniziert, reduziert die Ausnahmequote im laufenden Betrieb erheblich. Das klingt banal, wird aber in der Praxis von erschreckend wenigen Unternehmen systematisch gemacht.
Langfristig eröffnet eine strukturierte Datenbasis aus automatisiert verarbeiteten Rechnungen weitere Analysemöglichkeiten: Ausgabenanalysen nach Kategorie und Lieferant, Erkennung von Preisentwicklungen, frühzeitiges Erkennen von Duplikaten oder ungewöhnlichen Rechnungsmustern. Diese Potenziale sind keine Selbstläufer – sie entstehen nur, wenn die Daten von Anfang an sauber, konsistent und vollständig erfasst werden. Wer heute schlampt, hat morgen schlechte Daten, auch wenn die Prozesse schneller laufen.
Ja, die Empfangspflicht für strukturierte E-Rechnungen gilt für inländische B2B-Unternehmen ab dem 1. Januar 2025 ohne Übergangsfrist [1]. Das bedeutet: Wenn ein Lieferant eine konforme XRechnung oder ZUGFeRD-Datei schickt, muss das empfangende Unternehmen diese verarbeiten können. Die Pflicht zur Ausstellung einer E-Rechnung folgt hingegen gestaffelt bis 2028, je nach Unternehmensgröße [2]. Unternehmen, die bisher ausschließlich PDF-Rechnungen verarbeiten, sollten ihre Systeme daher umgehend auf Empfangsfähigkeit prüfen.
Als Richtwert gilt: Ab etwa 200 Eingangsrechnungen pro Monat beginnt eine strukturierte Automatisierungslösung wirtschaftlich zu werden – vorausgesetzt, der Prozess ist zuvor dokumentiert und die Stammdaten sind sauber. Bei geringerem Volumen können einfachere Halbautomatisierungen (z. B. zentrales digitales Eingangsfach mit Vorsortierung) das bessere Kosten-Nutzen-Verhältnis bieten. Entscheidend ist nicht nur das Volumen, sondern auch die aktuelle Fehlerquote und die Höhe entgangener Skonti – beides sind eigenständige Kostentreiber, die in eine realistische ROI-Berechnung einfließen müssen.
XRechnung ist ein reines XML-Dokument ohne visuellen Anteil – maschinenlesbar, aber ohne Leseprogramm für Menschen nicht direkt verständlich [5]. ZUGFeRD kombiniert ein lesbares PDF mit einer eingebetteten XML-Datendatei, was es zum Hybridformat macht [6]. Beide Formate entsprechen der europäischen Norm EN 16931 und sind für die E-Rechnungspflicht in Deutschland zugelassen. Für den Mittelstand hat ZUGFeRD den Vorteil, dass Empfänger ohne vollautomatisierte Verarbeitung die visuelle PDF-Ebene weiterhin nutzen können – was die Umstellung in Übergangsphasen erleichtert.
Ja, in den meisten Fällen ist ein ERP-Wechsel nicht notwendig. Viele Automatisierungslösungen setzen als vorgelagerte Schicht auf das bestehende ERP-System auf und übergeben strukturierte Datenpakete über Schnittstellen oder – bei fehlenden APIs – über robuste Integrationsschichten. Allerdings sollte geprüft werden, ob das bestehende System in seiner aktuellen Version strukturierte E-Rechnungsformate (XRechnung, ZUGFeRD) verarbeiten kann; ältere Versionen benötigen häufig kostenpflichtige Module oder Updates. Die Stammdatenqualität im ERP ist dabei wichtiger als die Frage des Releases: Unpflegte Lieferantenstammdaten bremsen jede Automatisierung, unabhängig vom eingesetzten System.
Bei einem Unternehmen mit 200 bis 600 Eingangsrechnungen pro Monat und einem vorbereiteten ERP-System dauert die Einführung erfahrungsgemäß zwei bis vier Monate – inklusive Prozessdokumentation, Systemkonfiguration und einem Pilotbetrieb von mindestens sechs bis acht Wochen. Projekte, die länger dauern oder scheitern, haben in der Regel ein gemeinsames Merkmal: Die Prozessdokumentation und die Stammdatenbereinigung wurden vor Projektstart nicht abgeschlossen, sondern parallel zur Implementierung nachgeholt. Das kostet doppelt Zeit.
Prozessanalyse anfragen: Wie reif ist Ihre Eingangsrechnungsverarbeitung für Automatisierung?

Abdullah hat Wirtschaftsinformatik (B.Sc.) studiert und verantwortet bei Socialeap den Bereich Prozessautomatisierung. Jede Lösung wird zu 100 % auf den jeweiligen Kunden zugeschnitten – kein Standardpaket, sondern Systeme, die exakt auf die bestehenden Abläufe im Unternehmen passen. Kunden sparen dadurch im Durchschnitt 10 Stunden pro Woche. Abdullah ist bei jedem Automatisierungsprojekt persönlich am Aufbau beteiligt. Auf diesem Blog schreibt er über Automatisierung, Prozessoptimierung und die Frage, wo Zeit im Tagesgeschäft tatsächlich verloren geht.

